Das Einzugsgebiet des Trümmelbachs umfasst die vergletscherten Nordwände
von Mönch (4099m), Jungfrau (4158m), die eisbedeckte Westwand des Eiger (3970m)
und zusätzlich das Quellwassergebiet Lauberhorn (2472m) mit der weiträumigen
Wengernalp, insgesamt ca. 24 Quadratkilometer, wovon etwa die Hälfte mit
Eis, Firn und ewigem Schnee bedeckt ist.
Nirgendwo sonst in den Alpen gelangt man so sicher und bequem so unmittelbar nahe
an die grossen Bergwände: Vom Talboden bei Trümmelbach (820m) zum Gipfel
der Jungfrau (4158m) beträgt der Höhenunterschied 3338m. Es ist der
Grösste der Alpen auf kürzeste horizontale Distanz, befindet sich der
Jungfraugipfel doch nur etwa 5 Kilometer weiter hinten.
Der Trümmelbach ist eisgeboren, sein Wasser im Sommer "Gletschermilch".
Wie ständiger Regen fallen aus den Felswänden Steintrümmer auf
die Gletscher, werden von diesen zu Tal getragen und dabei durch Eisdruck zerbrochen
und zerrieben. Die Schuttmassen häufen sich seitlich und am Ende der Gletscher
zu Wällen, den Moränen an. Der vom Schmelzwasser ausgeschwemmte Lehm
und Sand gibt dem Trümmelbach seine weissliche Farbe.
Die jährliche Geschiebe- und Geröll-Fracht ist enorm. Gemäss Gutachten
der Versuchsanstalt für Wasserbau der Eidgenössischen Technischen Hochschule
Zürich trägt der Trümmelbach jährlich rund 20.200 Tonnen,
über 20 Millionen Kilo also, bergab und talaus. Der Brienzer See nimmt das
gelassen in seinen Tiefen auf. Das Lehm, Sand, Kies und Geröll führende
Wasser wirkt wie Schleifwasser und der Bach wie eine Säge im relativ weichen
Kalkgestein: Hier wirken die Gewalten, welche die Alpen formen, dramatisch, anschaulich
und nie erlahmend.
Die Schlucht ist wie eine Riesengletscherspalte aus Kalk, auf ihrem schwarzen
Grund die "Gletschermilch" im Sommer, der glasklar blaue und grüne
Quell im Herbst, doch immer wolkenweiss aufstiebend von Tosbecken zu Tosbecken.